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Mitsegeln auf der Grönland

 

Die Grönland als Botschafterin in Berlin

 

Die GRÖNLAND Heute

Die Wiederentdeckung der GRÖNLAND

Photo: Die Grönland im Jahr 2006

In Bremerhaven wurde man auf die GRÖNLAND erst wieder aufmerksam, als anlässlich des hundertjährigen Jubiläums der zweiten deutschen Nordpolar-Expedition bei einer Veranstaltung am 18. November 1969 im Morgenstern-Museum ein Modell des bei Tecklenborg entstandenen Forschungsschiffes GERMANIA präsentiert wurde. Erbauer war der Duisburger Schiffbauingenieur und Schifffahrtsexperte Werner Jaeger, der im Rahmen seiner Forschungsarbeiten auch von der Existenz der GRÖNLAND in Norwegen erfahren hatte. Dies ließ den Leiter des Morgenstern-Museums und späteren Direktor des DSM, Gert Schlechtriem, aufhorchen, der den Kontakt mit dem damaligen Eigentümer Birger Ekerholt aufnahm.

Als der in München lebende und aus Bremerhaven stammende Schifffahrtshistoriker Hans Jürgen Hansen, der als Leiter der Kieler Olympia-Ausstellung 1972 im Bremerhavener Morgenstern-Museum nach Exponaten suchte, von Gert Schlechtriem von der GRÖNLAND Kenntnis erhielt, gelang es ihm, den Polarsegler im Rahmen eines Chartervertrages von seinem norwegischen Besitzer Egil Björn-Hansen zur Olympiade nach Kiel schleppen zu lassen. Nach einer provisorischen Restaurierung mit der Rekonstruktion des historischen Riggs bei den Kieler Howaldtswerken konnte die GRÖNLAND als Attraktion bei der Olympia-Ausstellung "Mensch und Meer" präsentiert werden. Hier diente sie auch als malerische Kulisse für Film- und Fernsehaufnahmen.

Der Erwerb der GRÖNLAND durch das Deutsche Schiffahrtsmuseum

Im Herbst 1972 gelang es Gert Schlechtriem als Direktor des Deutschen Schiffahrtsmuseums, das gerade ein Jahr zuvor seine wissenschaftliche Arbeit aufgenommen hatte, nach wochenlangen Verhandlungen, sorgfältigen Inspektionen des vorhandenen Schiffsrumpfes, einer Neuvermessung sowie Recherchen über die Identität und den Verbleib der GRÖNLAND mit Hilfe der norwegischen Schiffahrtsmuseen in Oslo und Bergen, eine Vereinbarung über den Kauf der historischen Polarjagt mit Egil-Björn-Hansen aus Oslo zu verhandeln. Der Kaufvertrag wurde am 26. Januar 1973 in Bremerhaven in Anwesenheit des norwegischen Eigners besiegelt. Der Kaufpreis betrug 120.000 DM. Inzwischen war der Oldtimer von Kiel nach Heiligenhafen zur Bootswerft Sakuth geschleppt worden, die besondere Erfahrungen im hölzernen Bootsbau aufweisen konnte. In den nächsten Monaten wurde hier der Schiffsrumpf für die Überführung nach Bremerhaven vorbereitet. Takler von den Howaldtswerken in Kiel bearbeiteten das Rigg.

Photo: Die
			Grönland im Wind

Die Bundesmarine stiftete nicht mehr benötigte Segel von der GORCH FOCK, welche die Segelmacherei Hinsch aus Glückstadt für das Expeditionsschiff verwenden konnte. Das neue Großsegel stammte aus der Spende eines Kaufmanns aus Bremerhaven. Als fachmännischer Berater konnte der norwegische Kapitän Skarpness von der Insel Stord gewonnen werden, der noch auf eigene Segelerfahrungen mit nordischen Jagten zurückgreifen konnte. Konstruktionspläne existierten nicht. Der komplette Innenausbau und die völlige Herstellung der Takelage mit dem stehenden und laufenden Gut konnten erst später in Bremerhaven erfolgen. Von Anfang an hatte Gert Schlechtriem geplant, die GRÖNLAND nicht nur zu restaurieren, sondern sie als aktives Museumsschiff unter Segeln als Werbe- und Sympathieträger für das im Aufbau befindliche Deutsche Schiffahrtsmuseum zu nutzen.

Vom 7. bis zum 9. September 1973 fand die Überführung der GRÖNLAND im Schlepp des Seenotrettungskreuzes THEODOR HEUSS der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger von Heiligenhafen nach Elsfleth statt. Probeweise konnten auch schon die Segel gesetzt werden. Der in Wismar gebürtige und in Bremervörde lebende Kapitän Gustav Wulf, der sich in monatelanger Arbeit um das Schiff gekümmert hatte, leitete mit einer aus Sportseglern zusammengestellten Crew die Überführungsfahrt von der Ostsee zur Weser. Die offizielle Begrüßung der GRÖNLAND mit dem Einlaufen unter Segelzeug von der Wesermündung nach Bremerhaven erfolgte schließlich am 14. September 1973, als die Nordische Jagt, begleitet von einem Schiffskorso, im Rahmen eines Festprogramms in Anwesenheit des Bremer Senatspräsidenten Hans Koschnick und des Bremerhavener Bürgermeisters Alfons Tallert und unter Beteiligung vieler Schaulustiger herzlich willkommen geheißen wurde. Die festliche Einfahrt in den Alten Hafen, dem ältesten Hafenbecken Bremerhavens, der seit 1966 als Museumshafen mit der Bark SEUTE DEERN, dem Feuerschiff ELBE 3, dem Walfangboot RAU IX sowie dem Hochseeschlepper SEEFALKE genutzt wird, fand einen Tag später statt.

GRÖNLAND als Museumsschiff des DSM

Photo: Die
			Grönland im Jahr 2006

Als das Deutsche Schiffahrtsmuseum die Nordische Jagt GRÖNLAND 1973 erwarb war dies nicht bloß ein Eignerwechsel wie das Schiff schon so viele zuvor erlebt hatte. Dieser Verkauf des Schiffes war vielmehr zugleich ein vollständiger Aufgabenwechsel. Die GRÖNLAND sollte fortan nicht mehr unmittelbar der maritimen Wirtschaft dienen, sondern als lebender Zeitzeuge von der Geschichte der Segelschifffahrt und Polarforschung berichten. Der Betrieb des Schiffes war nicht mehr länger der Zweck, für den das Schiff bewahrt und eingesetzt wurde, sondern dient seit dieser Zeit als ein Mittel zur Bewahrung und Tradierung maritimer Geschichte. Solch ein grundlegender Aufgabenwandel konnte nicht ohne Konsequenzen für Erhalt und Betrieb der GRÖNLAND bleiben.

So musste sowohl ein Betriebskonzept erarbeitet werden, das den veränderten Aufgaben Rechnung trägt, als auch eine geeignete Crew gefunden werden und schließlich muss jede Reparatur am Schiff seit dieser Zeit nicht nur den Anforderungen der Schiffsicherheit entsprechen, sondern ebenso denen der Bewahrung von Kulturgut.

Rund dreißig Jahre Segelbetrieb unter der Flagge des Deutschen Schiffahrtsmuseums belegen eindrucksvoll, dass diese Herausforderungen gelöst werden konnten. Zudem entspricht das Schiff bis auf einige Anpassungen an moderne Sicherheitsstandards heute wieder weitgehend dem Bau- und Ausrüstungsstand des Jahres 1868, dem Jahr, in dem die GRÖNLAND ihre bedeutendste Reise machte, die Erste Deutsche Nordpolarexpedition.

Photo: Die Grönland mit Sponsor

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