Deutsches Schiffahrtsmuseum

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Mitsegeln auf der Grönland

 

Die Grönland als Botschafterin in Berlin

 

Das Betriebskonzept der GRÖNLAND

Die Idee hinter dem aktiven Schiffsbetrieb

Ein oftmals verwaister Liegeplatz im Museumshafen und ein immenser Unterhaltungsaufwand zur Erfüllung von Sicherheits- und Umweltstandards - dies sind nur zwei der Gründe, die dafür sprechen könnten, die GRÖNLAND so zu behandeln, wie die übrigen Schiffe der Flotte des Deutschen Schiffahrtsmuseums, das heißt, sie als ortsfestes Museumsschiff dem Publikum zu präsentieren. Was spricht dafür, das Schiff in Fahrt zu halten, welche Idee steht hinter dem aktiven Schiffsbetrieb und letztlich welchen Nutzen bringt er für die Schiffahrtsgeschichte und das Museum?

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			Grönland auf dem Slip

Bereits am Ende der 1960er Jahre erkannten Schifffahrtshistoriker, dass mit dem Aussterben einzelner Schiffsgattungen in der Handelsschifffahrt nicht nur die Schiffe als Artefakte verloren gehen würden, sondern vor allem das Know-how ihrer Besatzungen. Standen hierbei zunächst vor allem die Arbeitsplätze der Heizer und Maschinisten auf Dampfschiffen im Mittelpunkt des Interesses, wurde doch zugleich erkannt, dass es um die Qualifikation der Crewmitglieder von kleineren Segelschiffen innerhalb nur weniger Jahre gleich stehen würde. Was lag für das noch junge Deutsche Schiffahrtsmuseum näher, als diesem Trend mit seinem zuletzt erworbenen Museumsschiff gegenzusteuern?

In nur kurzer Zeit nach dem Erwerb des Schiffes stand fest, dass es nicht wie die übrigen Schiffe der Flotte "nur" im Museumshafen besichtigt werden können, sondern wieder in Fahrt gehen sollte. Mit dieser Entscheidung stand das Museum vor einer Vielzahl neuer Herausforderungen. Es musste nicht nur eine Crew gefunden werden, die bereit war, das Schiff zu segeln und die hierfür erforderlichen Qualifikationen besaß, sondern es wurden Wege benötigt, das Schiff in Fahrt zu halten und es zugleich Besuchern präsentieren zu können. Ein klassischer Fahrgastbetrieb schied von vornherein aus, da die GRÖNLAND als Nordische Jagt nicht die entsprechenden baulichen Voraussetzungen bot und ein Umbau zum Fahrgastschiff die Struktur des Schiffes als erstes deutsches Polarforschungsschiff völlig zerstört hätte. Das Stichwort, das schließlich die Lösung brachte, hieß Traditionsschiff. Als solches muss die GRÖNLAND nicht die originären Vorschriften für ein Fahrgastschiff erfüllen, sondern einen adäquaten Sicherheitsstandard, der mit an den historischen Schiffstyp angepaßten Maßnahmen erreicht werden kann.

Für Tagesfahrten beträgt die maximal zulässige Personenzahl an Bord derzeit vierzig und für längere Törns 18. Gerade diese vergleichsweise niedrigen Zahlen stehen zugleich für das besondere Betriebskonzept der GRÖNLAND. Der Besucher ist kein bloßer passiver Fahrgast, sondern unmittelbar aktiv in den Schiffsbetrieb eingebunden. Die Vermittlung traditioneller Seemannschaft ist zugleich Ziel und integraler Bestandteil des Schiffsbetriebes.

Photo: Die
			Grönland im Fjord - Blick von Board

Entsprechend erfolgt der Erhalt des Schiffes gemäß den Kriterien der Charta von Barcelona, was insbesondere heißt, dass die Bewahrung des durch Rückbau entstandenen Bauzustandes der Zeit der ersten deutschen Polarexpedition absolute Priorität besitzt. Eingeschränkt wird diese Zielsetzung nur durch zwei Bereiche. Auf der einen Seite sind gewisse Zugeständnisse an moderne Navigations- und Kommunikationstechnik unabdingbar, wenn das Schiff am heutigen Verkehr auf den Schifffahrtsstraßen teilnehmen soll, und andererseits erfolgte eine Motorisierung des Schiffes als Vorbedingung für einen kalkulierbaren Einsatz des Schiffes. Die Bewahrung des Bauzustandes bezieht sich allerdings nicht auf die absolute Substanz des Schiffes, sondern vielmehr auf seine Struktur und Konstruktion. Dieser Funktionserhalt heißt, dass im Falle des endgültigen Verschleiß eines Bauteiles dieses durch ein gleichartiges ersetzt wird und somit eine schleichende Modernisierung weitgehend vermieden wird.

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			Crew und Gäste

Ein weiterer wesentlicher Bestandteil des Betriebskonzeptes ist der Einsatz des Schiffes als schwimmender Botschafter des Deutschen Schiffahrtsmuseums und im weiteren Sinne der Stadt Bremerhaven als Zentrum der deutschen Polarforschung. Gerade im Rahmen der Teilnahme an maritimen (Groß-)Veranstaltungen kann die GRÖNLAND nicht nur dem Publikum vor Ort einen Einblick in die Welt einer authentischen maritimen Tradition geben, sondern zugleich für den Besuch des Deutschen Schiffahrtsmuseums an sich werben.

Zusammengefasst bewirkt dieses Betriebskonzept zwar nicht, dass die GRÖNLAND von einer vergleichbaren Zahl Besuchern besichtigt werden kann, wie die übrigen Schiffe des Deutschen Schiffahrtsmuseums, dafür aber eine eigenständige Qualität hat und eine Intensität der Vermittlung von Schifffahrtsgeschichte auf der GRÖNLAND erreicht werden kann, wie auf keinem anderen Schiff der Flotte des Museums.

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			Crew in Aktion

Darüber hinaus fügt sich der Betrieb des Schiffes unmittelbar in die Kernaufgaben des Museums ein, als diese im Bereich der Bewahrung von Kulturgeschichte nicht bloß auf die dingliche Kultur mit ihren Objekten an sich beschränkt ist, sondern mindestens ebenso auf das mit diesen Objekten verbundene Know-how. Genau dies lässt sich im Fall komplexer Strukturen wie denen eines Segelschiffes nicht ausschließlich durch archivalische Tradierung erhalten. Die handwerklichen Fähigkeiten der traditionellen Seemannschaft können nur dann erhalten werden, wenn sie aktiv genutzt und dabei von Generation zu Generation weitergegeben werden. In diesem Sinne ist der Segelbetrieb der GRÖNLAND ein unmittelbarer Bestandteil des Erhaltungsauftrages des Deutschen Schiffahrtsmuseums im Bereich der maritimen Kultur.

Dass das Schiff darüber hinaus als Erstes Deutsches Polarforschungsschiff wie kein zweites geeignet ist, um für den Standort Bremerhaven mit seinen Forschungseinrichtungen der Polarforschung und Schiffahrtsgeschichte zu werben, ist ein glückliches Zusammentreffen, würde jedoch allein den aufwendigen Erhalt der GRÖNLAND als aktiv segelndes Schiff nicht rechtfertigen können.

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