Deutsches Schiffahrtsmuseum

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Mitsegeln auf der GRÖNLAND

 

Die GRÖNLAND als Botschafterin in Berlin

 

Die Crew - GRÖNLAND

"Man muss schon irgendwie verrückt sein"

Photo: Ein
			Teil der Crew

Wie wird man eigentlich Crewmitglied eines Museumsschiffs? Das können doch nur erfahrene Seeleute sein oder zumindest wissenschaftliche Experten mit dem nötigen historischen Fachwissen. Das kann doch niemand einfach so machen, oder?

Ja und nein. Sicher braucht ein Schiff wie die GRÖNLAND gestandene Nautiker und Techniker und es gibt sie dort auch. Aber keine Crew, auch (und gerade) wenn sie auf einem "Schmuckstück" arbeitet, kann ausschließlich aus hoch ausgebildeten Experten bestehen. Denn zur Zusammenarbeit auf einem solchen Schiff gehört vor allem eines: Leidenschaft. Es gibt wohl kaum ein Team, das so heterogen, so vielschichtig und in sich so unterschiedlich ist und das doch gleichzeitig eindringlicher den viel beschworenen Teamgeist verkörpert als die Mannschaft der GRÖNLAND. Und genau darin liegt wohl das Geheimnis ihrer langjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit. Die Crew gehört keinem Förderverein an, sie ist auch nicht Teil des Deutschen Schiffahrtsmuseums. Alle Crewmitglieder arbeiten ehrenamtlich und aus eigenem Interesse. Niemand hat sich im klassischen Sinne "beworben". Die Prüfung ist das Schiff selbst und zwar jeden Tag und jeden Törn aufs Neue. Wichtigste Bedingung für die Arbeit ist die Begeisterung für das Schiff und die Aufgaben, die es jedem Einzelnen stellt.

Geburt einer Gemeinschaft

Photo: Ein
			Teil der Crew

Doch fangen wir von vorn an: Als das Deutsche Schiffahrtsmuseum 1976 den Plan fasste, die drei Jahre zuvor erworbene GRÖNLAND wieder in Fahrt zu bringen, stellte man sich dort ebenfalls die eingangs erwähnte Frage. Die Antwort schien schnell gefunden. Die Hochschule Bremerhaven bildete zu jener Zeit noch Nautiker aus. Was lag also näher, als den angehenden Seeleuten praktische Erfahrungen auf einem historischen Schiff zu vermitteln? In Zusammenarbeit mit der Hochschule wurde ein entsprechendes Projekt auf den Weg gebracht - und scheiterte. Die Gründe sind vielschichtig. Möglich, dass die Nautikschüler die Anforderungen, die sie erwarteten, unterschätzten und alsbald die Lust verloren. In jedem Fall aber erkannte man, dass Fachwissen allein nicht alles ist. Und damit schlug die Geburtstunde der GRÖNLAND-Crew, wie es sie heute und wohl kaum noch sonst wo gibt. Ihr "Vater" war der damalige Leiter des Hansestadt Bremischen Amtes, Hans Loske. Er stellte 1977 eine quasi handverlesene Crew zusammen, die im August des gleichen Jahres erstmals gemeinsam nach Helgoland fuhr.

Photo: Der
			Smutje

Der Erfolg war auch für das Museum verblüffend. Worin bestand er? In erster Linie sicherlich darin, dass Loske damals weniger gezielt nach spezifisch ausgebildeten Fachkräften suchte, sondern nach "Machern". Männer, welche die Aufgaben, die das Schiff an sie stellte, in hohem Maße selbständig erkennen und anpacken konnten. Und die zugleich die Leidenschaft für dieses Schiff teilten. So ist es im Nachhinein kaum verwunderlich, dass diese 13 Männer der ersten Stunde insgesamt 14 Jahre zusammenhielten. Zwar befindet sich die Crew seither im stetigen Wandel - manche blieben nur kurz dabei, andere fahren bis heute mit und gerade das Berufsleben zwingt viele früher oder später zum Abschied von der GRÖNLAND. Doch hat sich an ihrer Teamphilosophie im Lauf der Jahre nichts geändert. Auch heute entstammen die Mitglieder der Crew nahezu allen Berufsschichten vom Handwerker bis zum Akademiker. Einige haben überhaupt keinen nautischen Hintergrund. Das ist auch nicht immer unbedingt vonnöten, wie beispielsweise Dr. Ingo Heidbrink vom Deutschen Schiffahrtsmuseum klarstellt: "Berufliche Vorkenntnisse sind aus fast allen Bereichen von Vorteil. Natürlich helfen in gewissem Rahmen auch nautische und seemännische Kenntnisse, aber vieles, was man auf der GRÖNLAND lernt, lernt und braucht man auch nur auf diesem Schiff."

Mehr überholt als gefahren

Photo: Ein
			Teil der Crew

Wer jemals einen Oldtimer oder eine Altbauwohnung besessen hat, kann sich immer noch nicht annähernd vorstellen, wie viel Aufwand ein historisches Schiff verursacht. Im Prinzip braucht man hier das Werkzeug nie aus der Hand zu legen, denn, um eine alte Fußballweisheit abzuwandeln, "nach der Fahrt ist vor der Fahrt". Es liegt im Wesen eines Schiffes wie der GRÖNLAND, dass es mehr überholt als gefahren wird und sicherlich ist auch dies einer der Aspekte, die das Schiff für seine Crew so liebenswert macht. Es braucht (und erhält) viel Zuwendung und es bedankt sich mit immer neuen Erfolgserlebnissen und dem guten Gefühl, gemeinsam an etwas sehr Schönem zu arbeiten.

 

Als "Schwimmender Botschafter" in unzähligen Missionen

Photo: Ein
			Teil der Crew

Aber auch mit Erinnerungen an gemeinsame Reisen und unvergesslichen Eindrücken. Die Aufzählung der Orte, an denen die GRÖNLAND in ihrer Zeit als Museumsschiff schon war, würde wohl ein weiteres Druckwerk erfordern. Aus gutem Grund, dient sie doch nicht nur dem Deutschen Schiffahrtsmuseum und dem Alfred-Wegener-Institut als "schwimmender Botschafter", auch für die Seestadt Bremerhaven ist sie eines der bekanntesten und werbewirksamsten Aushängeschilder. Derlei Missionen führten Schiff und Crew zum Beispiel 1981 nach Bonn. 15.000 Besucher bestaunten seinerzeit das Schiff während der Liegezeit in der damaligen Bundeshauptstadt. Die prominentesten unter ihnen waren zweifellos der damalige Bundespräsident Karl Carstens, selbst gebürtiger Bremer, und Bundeskanzler Helmut Schmidt, selbst passionierter Segler. Doch ob zu Seglertreffen oder hochoffiziellen Anlässen - wo die GRÖNLAND auftaucht, ist ihr die Aufmerksamkeit gewiss und nicht wenige, die sie gesehen haben, verspüren den Wunsch, selbst einmal auf ihr die See zu erkunden. So bricht die nordische Jagt regelmäßig zu Charterfahrten auf, die interessierten "Landratten" die Gelegenheit geben, ihre unverwechselbare Atmosphäre einmal hautnah zu erleben. Natürlich nicht ganz uneigennützig; denn mit dem Unterhalt des Schiffes sind neben der erforderlichen Arbeit auch immense Kosten verbunden, die durch Einnahmen aus dem Charterbetrieb zumindest spürbar verringert werden können. Letztlich dienen diese Fahrten also direkt dem Erhalt des Schiffes.

Photo: Ein
			Teil der Crew

Und mindestens einmal im Jahr, wenn weder Charterfahrten noch offizielle Missionen anstehen, hat die Crew das Schiff ganz für sich allein. Dann machen die Männer der GRÖNLAND auf dem Schiff Urlaub vom Schiff. Dann fahren sie gemeinsam hin, wo sie schon immer einmal hin wollten, wo sie lange nicht mehr waren oder einfach "wohin der Wind uns trägt". Eins der Lieblingsziele ist Helgoland. Jedes Jahr zu Himmelfahrt sind die "Seeleute aus Leidenschaft" dort gern gesehene Gäste.

 

 

 

 

 

 

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